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Das Undenkbare wird denkbar

Sonst bin ich unterwegs.

Diese Aussage kann man eigentlich pauschal für sich stehen lassen, denn sie gilt beinahe immer. Besonders aber gilt sie für lange Wochenenden wie Ostern, die man hervorragend für Veranstaltungen, Besuche bei Freund*innen oder Verwandten nutzen kann.

Dieses Jahr bin ich zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit Ostern wieder zuhause. Nicht in Hannover bei Freunden und Kommilitonen zum Osterbrunch. Nicht bei meiner Familie in Celle. Nicht bei seiner Familie in Siegen.

Die durch Corona erzwungene Zeit zuhause macht mich langsam unruhig. Sonst benötige ich einen Tapetenwechsel mindestens alle drei Wochenenden; nun bricht seit dem Kontakt- und Reiseverbot Woche fünf an, ohne, dass ich unterwegs bin.

Wohin auch? Sämtliche Veranstaltungen, an denen ich teilnehmen könnte, sind bis auf Wochen abgesagt. Termine, bei denen es bis vor wenigen Wochen noch undenkbar gewesen wäre zu fehlen (nicht, weil sie wirtschaftlich notwendig wären, sondern weil man sich selbst diese Auflagen auferlegt), finden einfach nicht statt.

Das Undenkbare wird denkbar, einfach so.

Mir hilft gegen die Rastlosigkeit tatsächlich, dass all diese Termine einfach gar nicht stattfinden. Die unbequeme Wahrheit dahinter ist das sogenannte FOMO-Syndrom – „fear of missing out“. Und die Erkenntnis, dass viele der Treffen nun via Skype und Zoom stattfinden. Das spart mir rund 200-300 Euro im Monat an Fahrtkosten, die der Deutschen Bahn nun fehlen.

Und ich ertappe mich des öfteren bei dem Gedanken, dass wir mehr darüber reflektieren müssen, was für uns denkbar ist und was nicht. Wir haben es selbst in der Hand.

So lernt man aus der Krise.

Der fatale Egoismus der Menschen

Die Hilfen für Soloselbständige und kleine Firmen sind da. Ernüchterung tritt auch hier ein. In vielen Bundesländern außer z.B. Hamburg und Berlin fallen Soloselbständige durchs Raster. Viele Länder gestatten die Beantragung der Unterstützung nicht für Einkommensausfälle, sondern nur für Betriebskosten wie Personal, Ladenmieten etc. Künstler*innen müssen also hartzen gehen, wenn sie die Miete nicht mehr bezahlen können.

Die Nachricht eines Bekannten ist niederschmetternd: offenbar empfehlen Steuerberater*innen ihren Kund*innen jetzt, die Hilfen auch dann für künstlerische Nebentätigkeiten zu beantragen, wenn sie das Geld nicht fürs Überleben benötigen.

Da draußen kämpfen Schriftsteller*innen, Verlagsleiter*innen kleiner inhabergeführter Verlage, Buchändler*innen ums Überleben, und gut abgesicherte Normalverdiener*innen ohne Gefährdung beantragen Hilfsgelder aus dem Notfallfonds? Ein bisschen Solidarität in Zeiten der größten finanziellen Krise seit dem zweiten Weltkrieg wäre zu wünschen. 

Durch diese Krise kommen wir bei allem Egoismus nicht allein, sondern nur gemeinsam. Wer da das finanzielle Pölsterchen auf dem Konto noch ein bisschen aufstockt, während andere Menschen nicht wissen, wie sie ihre Miete zahlen sollen, gehört in eine ganz besondere Hölle.

Die Länder verändern beständig die Bedingungen, zu denen beantragt worden ist. Hier ist angeraten, dass man zum Zeitpunkt des Antrags die Bedingungen per Screenshot dokumentiert und speichert, um später nachweisen zu können, was man unterschrieben hat.

Doch eine Nachbesserung für Freie und Soloselbständige Autor*innen ist unabdingbar, mit dem VS fordern wir das bereits.

Die Landesvorsitzende des VS NRW, Sabine Lipan, drückt das in ihrem Protestbrief sehr treffend aus: „auf unseren Schultern stehen 9,18 Milliarden Euro Umsatz im Jahr im Buchbetrieb; 80.000 Kernbeschäftigte in der Buchbranche sind angestellt, weil wir frei und oft für Cent-Beträge an Beteiligung pro Buch das herstellen, was sie anschließend verarbeiten und verkaufen; auf freien Kulturschaffenden insgesamt ohne Betriebskosten stehen 100,5 Milliarden Bruttowertschöpfung„.

Besser kann man kaum formulieren, dass die Unterstützung von Bund und Ländern hier gerade an einer Berufsgruppe vorbeigeht, die den Motor der deutschen Buchindustrie darstellt.

Twitch-Talk: Corona in der Buchbranche

Am Mittwoch den 1. April (kein Scherz!) ist es soweit: ich halte meine erste Online-Diskussionsrunde zum Thema „Corona in der Buchbranche“ ab. Mein Medium der Wahl ist Twitch, ich bin gespannt, wie das läuft und ob die Technik gut funktioniert. Ihr findet das Gespräch hier auf meinem Kanal.

Meine ersten Gäste sind Diana Menschig, und Björn Bedey.

Diana Menschig ist Romanautorin phantastischer und historischer Romane und die Gründerin und 1. Vorsitzende des Phantastik-Autoren-Netzwerks (PAN) e.V. Diana kann also hervorragend darüber sprechen, wie Corona die Situation der Autorinnen und Autoren betrifft.

Sowie Björn Bedey von der bedey media group und Sprecher der Indie-Verlage im Börsenverein des deutschen Buchhandels.

Nüchternheit

Autos auf den Straßen zeigen eine Betriebsamkeit, die ich so und so schnell noch nicht wieder erwartet hätte. Natürlich ist der Verkehr immer noch kein Vergleich zu vor-Corona-Zeiten, aber eben mehr, als man erwartet hätte.

Die Zahl der Spaziergänger zur sportlichen Betätigung ist eher gesunken als gestiegen, habe ich den Eindruck. Die Fischerinsel ist wie leergefegt. Offenbar nehmen die Menschen das Kontaktverbot ernst, und das ist gut so. Better safe than sorry.

Park auf der Fischerinsel, Berlin.

In der Arbeit im Homeoffice stellt sich Nüchternheit ein. Abstand halten wird zur Gewohnheit. Das verlassene Berlin Mitte ist Normalität. Der Ausnahmezustand schleicht sich langsam aus; was bleibt ist der Stress all der Alltagsdinge, die sich nun zum Krisenmanagement gesellen. Bei mir hat sich an der Fachhochschule die Arbeit durch Corona eher vermehrt als vermindert: nicht nur will Unterricht vorbereitet werden, sondern es will Online-Unterricht vorbereitet werden. Für mich, die ich die Leute die ich unterrichte, gern sehr direkt betreue, bedeutet das Verunsicherung und Mehraufwand in der Vorbereitung.

Die Verbandsarbeit ist großartig und beflügelnd – in der Krise ziehen alle an einem Strang. Doch auch hier wird die Arbeit mehr. Ich schreibe Artikel für die Politik und Kultur sowie für Börsenblatt off- und online, um auf die Situation der Autor*innen hinzuweisen. Die Betreuung der Facebook-Page des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS in ver.di) ist aufwändiger denn je. Im Augenblick heißt es warten auf die Tatsächliche Umsetzung der Hilfsmaßnahmen für Soloselbständige und Freie. Und dann begutachten, bewerten, kritisieren.

Auf dem Spaziergang begegnet uns eine Katze – das erste und letzte Katzenbild, das ich vermutlich je teilen werde – aus Spiegelscherben. Die Katze ist hier und doch nicht hier. Sie schleicht sich heran und bleibt doch unsichtbar. Sie ist greifbar und doch nur ein Konzept. Wunderschön.

Ein Stück Normalität

Spaziergänge zur sportlichen Betätigung in Berlin sind trotz unproblematisch möglich. Die Menschen sind sensibilisiert und halten in der Regel Abstand.

Gleichzeitig tritt in Arbeitsbereichen wieder Normalität ein. Nicht jedes Telefonat ist ein Krisengespräch, nicht jeder Zoomcall oder jedes Teams-Gespräch dreht sich um die Situation des Kontaktverbots und von Corona. Die Gedanken der Menschen wenden sich wieder den Aufgaben zu, denen man auch vor der Pandemie nachging.

Aus der Verlagswelt hört man unterschiedliche Signale. Von Business as usual bis hin zur Absage von Titeln oder der Verlegung von Büchern in Sommer oder Herbst ist alles dabei. Lesungsabsagen sind die Regel – und hier verlieren Bücher auch die Sichtbarkeit. Autor*innen versuchen, mit Twitch, Facetalk und Patreon gegenzusteuern.

Abende werden mit dem Lesen guter Bücher, mit Serien oder mit Artemis-Simulationen gefüllt. Vor Corona haben wir online noch nie alle 6 Stationen besetzt bekommen – jetzt gleich zwei Abende in der Woche. Das Kontaktverbot hat also auch milde Vorteile.

Berlin ist still.

Berlin war noch nie so leer.

Alexanderplatz am Sonntag, den 22.03.2020

Zumindest nicht am Sonntag bei phantastischem Sonnenschein. Sonntagsspaziergang in der Stadt trotz ist problemlos möglich. Der Entschluss der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten lautet „Kontaktverbot“ statt „Ausgangssperre“ und ich bin froh darum. Ich möchte mit den Bildern der leeren Stadt übrigens keine Panik oder Apokalypsestimmung auslösen, im Gegenteil – ich freue mich darüber, dass die Menschen vernünftig sind. Sie halten im großen und ganzen Abstand. Sie distanzieren sich körperlich, um niemanden anzustecken.

Galeria Kaufhof-Unterführung am Alex.

Trotzdem bleibt ein merkwürdiges Gefühl zurück. Berlin wirkt wie eine Kleinstadt am Sonntag – es sind vermutlich nur die unmittelbaren Einwohner hier, die sich die Füße vertreten. Ausgang zu Sportzwecken.

Berlin war auch noch nie so still wie in diesen Tagen. Im Hinterhof unserer Wohnung entsteht eine Urlaubsstimmung, als Eltern mit Kindern mit der Schaukel spielen. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern, die Welt wirkt schön und in Ordnung. Ich fühle mich an meine Jugend in den Achzigern in Celle im Garten meiner Mutter erinnert. An die Ruhe eines Sonntags, bevor das Internet erfunden wurde.

Ist das die Entschleunigung, von der sie alle sprechen?

Und plötzlich ist alles anders

Brandenburger Tor bei Nacht und Corona.

Am Wochenende habe ich mit Nina George (Präsidentin des European Writer’s Council) eine Handreichung für Schriftsteller*innen in der Krise geschrieben. Sie entsprang einem Fiebertraum der Aktivität zweier Frauen, die es nicht gewohnt sind, hilflos und tatenlos zuzuschauen, wenn Menschen in Not sind.

Dass die Leipziger Buchmesse abgesagt wird, hätte ein Zeichen sein können. Dass Corona doch nicht nur ein Schnupfen ist. Dass Covid-19 nicht nur in China einen schlimmen Verlauf nehmen kann. Dass sich alles verändern würde.

Kaum zehn Tage später, Mitte März 2020, und plötzlich geschehen Dinge, die man sich in der Bundesrepublik nicht hätte ausmalen können. Geschäfte sind geschlossen, die Bundeskanzlerin hält zum ersten Mal in ihrer langen Regierungszeit eine direkte Ansprache ans Volk.

Ich komme aus einer Phase unfassbarer Aktivität und vieler Reisen für den Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS in ver.di), für die University of Applied Sciences Europe in Hamburg, für meine Selbständigkeit und einfach aus Spaß zu einem schrillenden Halt. Termine werden abgesagt, Reisen aus Spaß erscheinen plötzlich unklug.

Plötzlich hat der Mensch im eigensten Sinne wieder Vorrang. Nicht die Wirtschaft. Nicht die Globalisierung. Sondern der Mensch und seine Gesundheit. Was zu Zeiten der -Demonstrationen noch undenkbar schien, rückt in greifbare Nähe: dass der Turbo-Kapitalismus nicht alternativlos ist.

Und plötzlich schnellen die Zuschauerwerte der Tagesschau in die Höhe. 43% Marktanteil sind ein Zeichen dafür, dass die Menschen in Krisenzeiten doch zu unterscheiden wissen, was gut präsentierte Nachrichten sind, und was bloß das Hintergrundrauschen der Unterhaltung. Ich bin froh um die Öffentlich-Rechtlichen und ja, auch um den Rundfunkbeitrag.

Ich prüfe beinahe im Stundentakt die Nachrichten, um den Newsticker der Entwicklungen im Auge zu behalten. Zu dem frenetischen Anstieg von Kommunikation gesellt sich die Erkenntnis von zwei merkwürdigen Ruhepolen:

  1. Die AfD ist erstaunlicherweise nicht mehr zu hören. Entweder ich habe meine Facebook-Timeline inzwischen gut kuratiert und alle Verschwörungstheoretiker und Nebelkerzengucker aussortiert, oder die Medien hören ihnen einfach nicht mehr zu. Weil sie unwichtig sind. Weil sie nichts zu sagen haben. Weil sie noch nie etwas zu einer Problemlösung beigetragen haben.
  2. Russland ist verdächtig still. Ein Putin, der uns glauben lassen möchte, dass es in seinem Staat keine Probleme und schon gar kein Corona-Virus gibt. Doch das Schweigen ist besorgniserregend, sagt es doch viel über den Zustand der Nachrichtenvermittlung in Russland aus.

Heute abend dann ertappe ich mich bei etwas Alltag – Arbeit muss gemacht werden, E-Mails geschrieben. Und danach der Blick aus dem Fenster und das Erwachen aus der geistigen Versunkenheit:

Plötzlich ist alles anders.

Ein Jahr ohne Leipziger Buchmesse

Foto von Jannett Cernohuby.

Das Jahr 2020 wird mir wegen vielerlei Dingen im Gedächtnis bleiben. Der Coronavirus spricht für sich, doch noch nie haben mich die Konsequenzen einer Medienhysterie so direkt betroffen.

Im Jahr 2020 fällt die Leipziger Buchmesse aus. Das ist seit den mindestens zwölf Jahren, in denen ich die Messe als Fachbesucherin aufsuche, das erste Mal, dass der Besuch in Leipzig zum Frühjahr fehlt. Während der Schaden, den die Absage in der Branche und in der Region Leipzig beziffert, hoch sein wird, hinterlässt sie in mir eine erstaunlich emotionale Lücke.

Ich halte die Absage als Vorsichtsmaßnahme zur Eindämmung des neuen Coronavirus für klug, besonders, da die Absagen von Verlagen und Ehrengästen aus den USA und Japan sich mehrten. Ein Dominoeffekt trat ein – denn mit diesen Verlagen und Ehrengästen fehlten dann die Partner auf den Veranstaltungen und Podiumsdiskussionen, andere blieben weg. Deutschen Verlagsmitarbeiter*innen wurde freigestellt, ob sie teilnehmen wollten oder nicht – das ist auch kaum anders möglich, schließlich muss jede*r selbst einschätzen, ob man zur Risikogruppe gehört oder nicht. Hinzu kamen die Auflagen der Gesundheitsbehörden, die eine Nachverfolgbarkeit von Infektionen erforderte und auf einer Messe mit beinahe 300000 Besuchern einfach nicht leistbar war.

Die LBM, wie sie unter Liebhaber*innen kurz nur heißt, wurde für mich von Jahr zu Jahr anstrengender. Spätestens mit dem Bundesvorsitz des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller ist die Zahl der Sitzungen und Veranstaltungen, an denen ich vor Ort teilnehme, sprunghaft gestiegen. Und wir hatten mit dem VS und dem Netzwerk Autorenrechte dieses Jahr ein wundervolles Programm, das nun in den Herbst und nach Frankfurt verschoben werden muss.

Doch die Arbeit, die man hineinsteckt, wird vielfach belohnt. Ich kann den Zustand, in dem die Leipziger Buchmesse – und speziell diese – mich jedes Jahr hinterlassen hat, nur schwer in Worte fassen.

Zu wenig Schlaf, Rücken und Füße maximalzerstört, in der Regel zu viel Alkohol, in 9 von 10 Fällen mit der Messeseuche vergrippt. Und doch befruchtet der Austausch mit so vielen kreativen Menschen die Synapsen, beschwingt sie auf eine Art und Weise, dass man sich hinterher frohgemut an jedes Buch oder jeden Text, den man auf dem Tisch hat, setzt, drei neue anfängt und sich darüber ärgert, dass der Tag noch immer nur 24 Stunden umfasst.

Besonders die Phantastik-Szene, und damit das Phantastik-Autoren-Netzwerk (PAN) e.V. trugen in den letzten Jahren zu diesem Austausch bei, doch immer mehr durchmischen sich die verschiedenen Sparten der Literatur und gehen offen aufeinander zu – was auch dem Netzwerk Autorenrechte zu verdanken ist. Der Schmelztiegel aus Ideen, Freundlichkeit, Netzwerk-Gelegenheiten und angestoßenen Projekten, den Leipzig in der Regel hinterlässt, ist mindestens ebenso ein Motor der Branche wie die Business-Seite der Messe.

Besonders für Autor*innen und ihre Kleinverlage ist das Fehlen des Messeumsatzes dieses Jahr ein Problem. 2019 kostete mit der Pleite von KNV sowie der Auslistung vieler Titel von Kleinverlagen durch Libri bereits viele ihren finanziellen Puffer.

Eine Übersprungshandlung, die vom Phantastik-Autoren-Netzwerk PAN ausgelöst wurde, ist ücherhamstern. In dieser Initiative werden jene verhinderten Besucher*innen und mögliche Kund*innen der Messe aufgefordert, das Geld, das sie in Bücher hätten investieren wollen, nun per Online-Bestellung direkt in die Bücher von Kleinverlagen zu stecken. U.a. die Süddeutsche und der rbb berichteten. Der Börsenverein sammelte in einem Artikel weitere Initiativen, um den Schaden für die Branche zu minimieren.

Bislang war mir nicht bewusst, wie schmerzhaft die Absage tatsächlich sein würde, und wie lange es braucht, um diese Lücke zu füllen. Ich freue mich um so mehr und mit wachsendem Elan auf die Frankfurter Buchmesse sowie die Leipziger Buchmesse 2021.

Diskussionsrunden und Termine auf der Frankfurter Buchmesse 2019

Frankfurt bei Nacht nach der Party der Norwegischen Botschaft

Dieses Jahr wird meine Buchmesse durch den Vorsitz im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (Stand Halle 4.1, Stand D 92) sehr voll. Doch die Gelegenheit zum Treffen lässt sich an der einen oder anderen Stelle herstellen.

Ich bin von der Frankfurter Buchmesse am Mittwoch um 10h auf die Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Frankfurt Author’s Stage, (Halle 3.0 K15) eingeladen worden. Das Thema ist Spielerisch die Leserinnen/Leser erreichen: Serien, YouTube und Games – alles buhlt um Aufmerksamkeit und Zeit. Wie profitiert davon das Buch?

Auf dem Weltempfang moderiere ich Mittwoch um 13h die Diskussionsrunde KI in der Buchbranche – Realität oder Fiktion? Chancen und Risiken des immer stärkeren Einflusses von KI in der Buchbranche. Mit Yvonne Hofstetter, Maria Hummitzsch, Ralf Winkler.

Von meinem Stellvertretenden Vorsitzenden Sven j. Olsson wird am Mittwoch um 16h die Diskussionsrunde Autorenleben, Buchmarkt und Urheberrechte – Norwegen, Deutschland, Schweiz moderiert.
Es sprechen Andrea Gerster, Nicole Pfister, Heidi Marie Kriznik, Toore Slaata.

Am Donnerstag um 12:30h sprechen Imre Török (ehemaliger Bundesvorsitzender VS), Nike Leonhardt (VS-Mitglied und Selfpublisherin) und ich über Noch immer kein Ende der Bescheidenheit50 Jahre Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller und darüber, wie sich der VS für die Zukunft wappnen muss.

Donnerstag abends um 17h laden wir vom VS zum Kennenlernen des neuen Bundesvorstands zur Standparty unter dem Motto 50 Jahre VS ein. Aus dem Bundesvorstand finden sich dort neben mir Sven j. Olsson (stellvertretender Vorsitzender des VS), Leander Sukov
(stellvertretender Vorsitzender des VS) sowie Dr. Pilar Baumeister (Beisitzerin im Vorstand des VS) zum Gespräch ein.

Freitag nachmittag um 14h springe ich in der Agora / im Frankfurt Pavillon für eine Kollegin als Moderation der EWC-Veranstaltung mit drei EUPL-Preisträger*innen ein. Europe´s Contemporary Literature – The European Union Prize for Literature. Ich darf Beqa Adamashvili (Georgien) Nikos Chryssos (Griechenland) Haska Shyyan (Ukraine) zu ihren Geschichten interviewen. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.

Freitag Abend findet man mich auf dem Galaktischen Forum, der SF- und Fantasy-Party von Droemer Knaur und Fischer Tor.

Und Samstag werde ich sicher wie jedes Jahr ab kurz nach dem Mittag auf dem BuCon in Dreieich anzutreffen sein.

Der Sonntag steht dann im Zeichen des Friedenspreises des Buchhandels, dessen Verleihung in der Paulskirche in Frankfurt ich mir nicht entgehen lassen kann.


Quartett der Spielekultur

Die Stiftung für digitale Spielekultur hat sich zum Ziel gesetzt, das Ansehen von Computerspielen in der Öffentlichkeit zu verbessern. Eines der Mittel dafür ist das Quartett der Spielekultur, das das Format des Quartetts der Literatur auf die Spieleszene überträgt – und es funktioniert ganz wunderbar.

Am 21.08. 2019, dem Mittwoch des Gamescom Congress, der die Gamescom in Köln begleitet, durfte ich auf dem Podium des Quartetts der Spielekultur teilnehmen. Wir sprachen über Assassin’s Creed Odyssey von Ubisoft und A Plague Tale: Innocence von Asobo Studio.

Mit den Moderator*innen Melek Balgün und Markus Richter sprachen die Spielejournalistin Nina Kiel und ich über die historische Darstellung der Welt, der Religion und die Charaktere der beiden Spiele, die sich auf den ersten Blick völlig unterscheiden, auf den zweiten Blick aber doch einige Gemeinsamkeiten besitzen.

Foto von Jens Junge

Wo Assassin’s Creed Odyssey Spieler*innen in die Rolle einer beinahe halbgöttlichen Figur versetzt, reduziert A Plague Tale: Innocence das Spiel auf den Handlungsspielrahmen eines elfjährigen Mädchens und ihres noch jüngeren Bruders.

Die Spielfiguren von Odyssey sehen z.B. Religion skeptisch (sie wird im Spiel auch eher als Manipultionsinstrument dargestellt), in Innocence ist die Inquisition so zweidimensional verdorben wie der Imperator des Imperiums in Star Wars.

Das Gespräch, das sich auch um den Gut-Böse-Kontrast und die Komplexität der Figuren drehte, kann man auf YouTube nachschauen.

A Plague Tale: Innocence
© 2019 Asobo Studio and Focus Home Interactive.

Mich hat A Plague Tale: Innocence allein von der Atmosphäre her sehr beeindruckt. Das Spiel wechselt zwar schnell von einer historischen Darstellung in den Bereich des übernatürlichen Horrors, der zum Ende hin zu dick aufgetragen wirkt, doch das Gefühl des kindlichen Alleingelassenseins und der Notwendigkeit der beiden Geschwister, in einer fürchterlichen Welt des Krieges und der Pest Schreckenstaten zu begehen, um zu überleben, hat das Spiel für mich sehr wertvoll gemacht.

Assassin’s Creed Odyssey
© Ubisoft

Assassin’s Creed Odyssey hat mich (nach meiner großen Liebe zur Ezzio-Trilogie) wieder zu der AC-Reihe zurückgehführt. Die offene Spielwelt ist virtuos gestaltet und vermittelt wie schon seine Vorgänger ganz nebenbei interessante historische Details in einer fiktiven Welt, die natürlich von dem orginalen Griechenland abweichen muss.

Ich fand großartig, dass beide Spiele auch eine in der Games-Szene politische Ebene haben: beide bieten das Spiel von Frauenfiguren an (bei Innocence sogar als Hauptcharakter). Und Odyssey stellt quasi en passant vor, wie man der eigentlich konservativen Spielerschaft ein Blockbuster-Spiel mit Angeboten zu gleichgeschlechtlicher Liebe präsentiert.

Ich bedanke mich besonders bei Christiane Gehrke, der wunderbaren Projektleiterin des Quartetts, sowie natürlich bei den Moderator*innen und meiner Mitdiskutantin Nina (deren Meinung teils drastisch von meiner abwich).

Wie findet ihr die beiden Spiele? Seht ihr Gemeinsamkeiten?