Archiv der Kategorie: Aktuelles

Diskussionsrunden und Termine auf der Frankfurter Buchmesse 2019

Frankfurt bei Nacht nach der Party der Norwegischen Botschaft

Dieses Jahr wird meine Buchmesse durch den Vorsitz im Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (Stand Halle 4.1, Stand D 92) sehr voll. Doch die Gelegenheit zum Treffen lässt sich an der einen oder anderen Stelle herstellen.

Ich bin von der Frankfurter Buchmesse am Mittwoch um 10h auf die Podiumsdiskussion zur Eröffnung der Frankfurt Author’s Stage, (Halle 3.0 K15) eingeladen worden. Das Thema ist Spielerisch die Leserinnen/Leser erreichen: Serien, YouTube und Games – alles buhlt um Aufmerksamkeit und Zeit. Wie profitiert davon das Buch?

Auf dem Weltempfang moderiere ich Mittwoch um 13h die Diskussionsrunde KI in der Buchbranche – Realität oder Fiktion? Chancen und Risiken des immer stärkeren Einflusses von KI in der Buchbranche. Mit Yvonne Hofstetter, Maria Hummitzsch, Ralf Winkler.

Von meinem Stellvertretenden Vorsitzenden Sven j. Olsson wird am Mittwoch um 16h die Diskussionsrunde Autorenleben, Buchmarkt und Urheberrechte – Norwegen, Deutschland, Schweiz moderiert.
Es sprechen Andrea Gerster, Nicole Pfister, Heidi Marie Kriznik, Toore Slaata.

Am Donnerstag um 12:30h sprechen Imre Török (ehemaliger Bundesvorsitzender VS), Nike Leonhardt (VS-Mitglied und Selfpublisherin) und ich über Noch immer kein Ende der Bescheidenheit50 Jahre Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller und darüber, wie sich der VS für die Zukunft wappnen muss.

Donnerstag abends um 17h laden wir vom VS zum Kennenlernen des neuen Bundesvorstands zur Standparty unter dem Motto 50 Jahre VS ein. Aus dem Bundesvorstand finden sich dort neben mir Sven j. Olsson (stellvertretender Vorsitzender des VS), Leander Sukov
(stellvertretender Vorsitzender des VS) sowie Dr. Pilar Baumeister (Beisitzerin im Vorstand des VS) zum Gespräch ein.

Freitag nachmittag um 14h springe ich in der Agora / im Frankfurt Pavillon für eine Kollegin als Moderation der EWC-Veranstaltung mit drei EUPL-Preisträger*innen ein. Europe´s Contemporary Literature – The European Union Prize for Literature. Ich darf Beqa Adamashvili (Georgien) Nikos Chryssos (Griechenland) Haska Shyyan (Ukraine) zu ihren Geschichten interviewen. Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.

Freitag Abend findet man mich auf dem Galaktischen Forum, der SF- und Fantasy-Party von Droemer Knaur und Fischer Tor.

Und Samstag werde ich sicher wie jedes Jahr ab kurz nach dem Mittag auf dem BuCon in Dreieich anzutreffen sein.

Der Sonntag steht dann im Zeichen des Friedenspreises des Buchhandels, dessen Verleihung in der Paulskirche in Frankfurt ich mir nicht entgehen lassen kann.


Quartett der Spielekultur

Die Stiftung für digitale Spielekultur hat sich zum Ziel gesetzt, das Ansehen von Computerspielen in der Öffentlichkeit zu verbessern. Eines der Mittel dafür ist das Quartett der Spielekultur, das das Format des Quartetts der Literatur auf die Spieleszene überträgt – und es funktioniert ganz wunderbar.

Am 21.08. 2019, dem Mittwoch des Gamescom Congress, der die Gamescom in Köln begleitet, durfte ich auf dem Podium des Quartetts der Spielekultur teilnehmen. Wir sprachen über Assassin’s Creed Odyssey von Ubisoft und A Plague Tale: Innocence von Asobo Studio.

Mit den Moderator*innen Melek Balgün und Markus Richter sprachen die Spielejournalistin Nina Kiel und ich über die historische Darstellung der Welt, der Religion und die Charaktere der beiden Spiele, die sich auf den ersten Blick völlig unterscheiden, auf den zweiten Blick aber doch einige Gemeinsamkeiten besitzen.

Foto von Jens Junge

Wo Assassin’s Creed Odyssey Spieler*innen in die Rolle einer beinahe halbgöttlichen Figur versetzt, reduziert A Plague Tale: Innocence das Spiel auf den Handlungsspielrahmen eines elfjährigen Mädchens und ihres noch jüngeren Bruders.

Die Spielfiguren von Odyssey sehen z.B. Religion skeptisch (sie wird im Spiel auch eher als Manipultionsinstrument dargestellt), in Innocence ist die Inquisition so zweidimensional verdorben wie der Imperator des Imperiums in Star Wars.

Das Gespräch, das sich auch um den Gut-Böse-Kontrast und die Komplexität der Figuren drehte, kann man auf YouTube nachschauen.

A Plague Tale: Innocence
© 2019 Asobo Studio and Focus Home Interactive.

Mich hat A Plague Tale: Innocence allein von der Atmosphäre her sehr beeindruckt. Das Spiel wechselt zwar schnell von einer historischen Darstellung in den Bereich des übernatürlichen Horrors, der zum Ende hin zu dick aufgetragen wirkt, doch das Gefühl des kindlichen Alleingelassenseins und der Notwendigkeit der beiden Geschwister, in einer fürchterlichen Welt des Krieges und der Pest Schreckenstaten zu begehen, um zu überleben, hat das Spiel für mich sehr wertvoll gemacht.

Assassin’s Creed Odyssey
© Ubisoft

Assassin’s Creed Odyssey hat mich (nach meiner großen Liebe zur Ezzio-Trilogie) wieder zu der AC-Reihe zurückgehführt. Die offene Spielwelt ist virtuos gestaltet und vermittelt wie schon seine Vorgänger ganz nebenbei interessante historische Details in einer fiktiven Welt, die natürlich von dem orginalen Griechenland abweichen muss.

Ich fand großartig, dass beide Spiele auch eine in der Games-Szene politische Ebene haben: beide bieten das Spiel von Frauenfiguren an (bei Innocence sogar als Hauptcharakter). Und Odyssey stellt quasi en passant vor, wie man der eigentlich konservativen Spielerschaft ein Blockbuster-Spiel mit Angeboten zu gleichgeschlechtlicher Liebe präsentiert.

Ich bedanke mich besonders bei Christiane Gehrke, der wunderbaren Projektleiterin des Quartetts, sowie natürlich bei den Moderator*innen und meiner Mitdiskutantin Nina (deren Meinung teils drastisch von meiner abwich).

Wie findet ihr die beiden Spiele? Seht ihr Gemeinsamkeiten?

Die Macht der Presse und Schriftsteller in einer postfaktischen Welt

Wer hätte gedacht, dass ich einmal einem Artikel von Jakob Augstein zitiere? Doch in seinem Beitrag im Spiegel Online „Macht und Missverständnis„, weist Augstein darauf hin, dass es in der postfaktischen Welt nicht mehr auf Fakten ankommt, sondern darauf, wer am lautesten brüllt.

Augstein schreibt: „Es ist Horst Seehofer schlicht egal, ob die Grenzkontrollen, von denen er redet, überhaupt machbar sind und tatsächlich eine nennenswerte Zahl von Migranten abfangen könnten. So wie es Donald Trump und seinen Zuhörern schlicht egal ist, ob die deutschen Kriminalitätszahlen gestiegen oder gesunken sind.“

Wenn es aber auf Fakten nicht mehr ankommt, dann kommt es auf die Verbreitung von Beiträgen an, sei es in der Presse, in der Tagesschau, in den Online- und Offline-Magazinen und, vielumstritten, auf die Sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Instagram und co.

Das macht jeden einzelnen von uns zu einem Multiplikator des Echos, das unter anderem Seehofer, aber auch die Lautsprecher der AfD, von sich geben. Das macht auch jeden einzelnen von uns verantwortlich für die Multiplikation und die Stärke dieses Echos. Anstatt uns also über diese Medien unseren Aufreger des Tages abzuholen und das sofort als Neuigkeit in unserem eigenen Medienstream (den Sozialen Medien) zu teilen, sollten wir vielleicht etwas geruhsamer an die Sache herangehen.

Besondere Macht aber kommt in diesen postfaktischen Zeiten den alten und neuen Presse-Medien zu. Talkshows, Zeitungen und Magagzine, Fernsehsender – sie alle leben von diesem Aufreger des Tages und generieren ihre Einnahmen darüber, dass sie diese Aufregung an ihre Konsumenten – also an uns – übertragen.

In Zeiten kurzweiliger Aufreger für Werbeeinnahmen aber gewinnen die ARD, das ZDF und alle anderen (nicht-)GEZ-unterstützten Medien wie Papierzeitungen wieder mehr Gewicht.

Denn diese besondere Macht will sorgsam genutzt werden. Allzuoft gerieren sich die Medien nur als Megafone, als Verstärker hinausgebrüllter Meinungen, ohne tatsächlich journalistische Prinzipien zu respektieren – denn guter Journalismus dauert; meist zu lange zum Ergattern der Klickzahlen.

Die Richtung muss für mich heißen: mehr werbeunabhängige Medien. Und die, die wir haben, müssen sich ihrer großen Verantwortung bewusst sein.

Wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller müssen uns dieser Verantwortung übrigens auch bewusst sein, denn auch wir sind Multiplikatoren für Meinungen.

Ironischer Weise fand ich auf der Spiegelseite, auf der Augsteins Artikel stand, drei fremd- und ein hausinternes Werbebanner vor.

Die Shortlist des DRP 2018 steht fest!

Dieses Jahr bin ich zum zweiten Mal wieder in die Jury des deutschen Rollenspielpreises (#DRP) eingeladen worden. Wie jedes Jahr fiel schon die Wahl für die Shortlist schwer.

Der Preis nominiert seit 2014 jedes Jahr die besten in Deutschland veröffentlichten Rollenspielprodukte in den Kategorien „Bestes Grundregelwerk“ und „Bestes Zubehör“.

Ich gratuliere den Nominierten und ihren Verlagen ganz herzlich und drücke die Daumen. Meine Favoriten habe ich natürlich längst, aber ich glaube, die anderen Juroren sehen das eventuell anders …

Die Kategorie Grundregelwerke:

Der Spawl

Der Sprawl, Neon Edition, von Hamish Cameron und Lillian Cohen-Moore, übersetzt von Carsten Damm, Uhrwerk-Verlag/Pro-Indie

Symbaroum

Symbaroum – Grundregelwerk, von Martin Bergström, Mattias Jonsson, Anders Lekberg, Mattias Lilja und Johan Nohr, übersetzt von Daniel Schumacher, Prometheus Games

Ultima Ratio – Im Schatten von MUTTER

Ultima Ratio – Im Schatten von MUTTER: Regelwerk 2.0, von Nikolas Tsamourtzis, Heinrich Tüffers Verlag

Die Kategorie Zubehör:

7te See: Piraten-Nationen

7te See: Piraten-Nationen, Mark Diaz Truman, John Wick u.a., übersetzt von Manfred Sanders, Pegasus Spiele

Call of Cthulhu: Grand Grimoire der Mythos-Magie

Call of Cthulhu: Grand Grimoire der Mythos-Magie von Mike Manson, mit deutsch-sprachige Ergänzungen von Heiko Gill, übersetzt von Heiko Gill und Frank Heller, Pegasus Spiele

Scherbenland

Scherbenland, von Judith und Christian Vogt, Selbstverlag

Die Shortlist ist die Auswahl der besten drei Kandidaten aus allen nominierten Werken. Der Deutsche Rollenspielpreis veröffentlicht keine Aufstellung aller Nominierungen. Der Sieger für das Jahr 2018 in den jeweiligen Kategorien wird im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Nordcon 2018 bekannt gegeben.

Dialog: Gibt es zu viele Frauen in phantastischer Literatur?

Die Diskussion über Feminismus und Repräsentation von Frauen in der phantastischen Literatur, die auf dem 3. Branchentreffen der Phantastik des Phantastik-Autoren-Netzwerks (PAN) e.V. am 19.04. in einer Diskussionsrunde im Kölner Odysseum begann, setzte sich zunächst auf Twitter fort.

Professor Lars Schmeink, der auf unserem Branchentreffen den Impuls-Vortrag „Politische Dimensionen der Fantastik“ hielt, setzt sie nun auf Tor-Online fort und ruft zum brancheninternen Dialog auf. Lieber Lars, hier ist meine Stimme.

Die Beschwerde: es gäbe zu wenig (starke) Frauenfiguren in phantastischer Literatur. Doch auf diese Beschwerde kam auch Widerspruch: es habe noch nie Gegenwehr gegeben, wenn (z.B. ein Mann oder erfolgreicher Autor) eine Heldin ins Zentrum seines Werks gestellt hätte.

Wer hat nun Recht? Oder gar beide?

Ich glaube einerseits, dass sicher große und kleine Autoren nicht gleich behandelt werden. Wenn also die einen starke Frauenfiguren nutzen dürfen, heißt das nicht, dass anderswo nicht genau solche Bücher abgelehnt werden. Darüber kann ich ehrlich gesagt keine Auskunft geben, denn mir wurde immer von den Lektorinnen kommuniziert, dass eine (starke) Frauenfigur gern gesehen wird. (Darüber, dass man sich nur bei weiblichen Figuren genötigt sieht, das Wörtchen „stark“ vor die Figur zu setzen, und das bei Männerfiguren (gibt es das Wort?) oder Helden nicht ergänzt werden muss, hat Lars Schmeink sich bereits andernorts ausgelassen.)

Meine andere Befürchtung ist allerdings, dass wir in der phantastischen Literatur zu viele Frauenfiguren haben. Und zwar zu viele, die eben in sexistischen Verhaltensmustern charakterisiert werden. Besonders romantische Literatur neigt zu Halb-zog-er-sie-halb-sank-sie-hin-Personal, bei dem auf beiden Seiten des Geschlechtergrabens Stereotypen verfestigt werden.

Was wir also benötigen, sind nicht mehr Frauenfiguren (ob als „stark“ tituliert oder nicht), sondern komplexere, vielschichtige Figuren, die nicht in das eine oder andere Klischee kippen – die flache Powerkriegerin mit Schwert auf der einen oder das kleine verhuschte Mädchen, das am liebsten von ihrem starken, dominanten Liebsten erobert werden möchte.

Da könnte man zum Schluss kommen, dass Stereotypen schädlich sind. Ich finde das auch nicht ganz falsch, denn Stereotypen verfestigen natürlich Gender-Klischees in den Köpfen der Leserschaft.

Auf der anderen Seite lebt Phantastik (und Bücher leben generell) von Stereotypen, denn das erleichert den Einstieg in eine komplexe neue Welt.

Die Antwort auf die Frage ist also wiederum komplex. Mein Aufruf ist:

Schreibt Charaktere. Schreibt nicht Abziehfiguren, sondern motiviert euer Personal und stattet sie mit guten wie schlechten Seiten, Marotten und Geniezügen aus.

Alle, Männer, Frauen und alles dazwischen.

Und jetzt haben wir wieder nicht über Rassismus in der Phantastik und die Notwendigkeit für Vielfalt in der Literatur gesprochen, Lars.

Machen wir das im Mai?

[EDIT: Links gesetzt]

Politische Dimensionen der Phantastik

Das 3. PAN-Branchentreffen ist vorbei. Auch auf Twitter wurde wild diskutiert: Unter #pan18 kann man vieles nachlesen und sich mitfreuen.

Dieses Jahr konnte ich mich glücklicherweise ein wenig mehr entspannen als letztes Jahr, in dem ich mit Programm-Mitplanung, Sponsoren-Vertragsunterzeichnungen, Vor-Ort-Orga, einen Tag Moderation sowie der Kasse mehr als ausgelastet (bzw. überlastet) war. Diess Jahr konnte ich mich auf Sponsoring-Aquise, Moderation und PR konzentrieren, und so hatte ich mehr Zeit, neben der Organisation auch an den Diskussionsrunden teilzunehmen.

Diana Menschig, unsere erste PAN-Vorsitzende und Hauptorganisatorin, hat einen phantastischen Job gemacht, besonders mit der Besetzung der Diskussionsrunden und Vorträge. Danke, Diana, dass es dich gibt, dass du dich so für die Phantastik einsetzt und niemals ermüdest!

Hervorheben möchte ich hier die Beiträge von Michael Baumann, der für die Gesellschaft für Fantastikforschung den Einleitungsvortrag über „Sind Märchen politisch?“ hielt und den für mich zentralen Satz sagte: „Kann Literatur unpolitisch sein? Oder ist sie nicht sogar dann politisch, wenn sie versucht, nicht politisch zu sein?“

Auch Professor Lars Schmeink hielt einen phantastischen Vortrag über „Diversität, Intersektionalität und Repräsentation: Politische Dimensionen der Fantastik“, der eine hitzige Diskussion nach sich zog.

Mein ganz persönliches Highlight waren die Äußerungen von OLG-Richter Ralf Neugebauer, der sich ohne Konsultation der Rechtsschriften selten zu einer so klaren Äußerung wie dieser hinreißen lassen konnte: „Darf man das N-Wort noch sagen?“ – Ralf Neugebauer: „Ja, darf man, aber dann muss man damit rechnen, dass man als das rassistische Arschloch bezeichnet wird, das man dann offensichtlich ist.“

Besonders gefallen aber hat mir, wie auf den Branchentreffen die Phantastik-Familie immer weiter zusammenrückt, neue Menschen hinzukommen und willkommen geheißen werden.

Ich danke den vielen Helferinen und Helfern, angeführt von unserer Schatzmeisterin Fabienne Siegmund, die unermüdlich mit angepackt haben. Ohne euch – und das ist keine Floskel – gäbe es das Branchentreffen nicht. Denn PAN ist mehr als nur ein Vorstand der zieht und macht, PAN ist mehr als die Summe seiner Mitglieder. PAN ist Familie.

Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr.

#pan18out

Lieblingszitate:

„Dafür ist die Phantastik ja da – dass wir Räume öffnen, die die Realität so nie bieten könnte.“ (Sebastian Pirling, @credonaut)

„Literaturverhinderer tragen meist feine Klamotten und reden den ganzen Tag darüber, wie toll sie Literatur finden.“ (Klaus Frick, @enpunkt )

Die Mutter der erwachsenen Phantastik ist tot

Ein Nachruf  auf Ursula K. Le Guin

Ursula K Le GuinIhr erstes Buch, in dem Fantasy und Science Fiction verschmelzen, veröffentlichte Ursula K. Le Guin 1966. Schon in den siebziger Jahren galt sie als eine der Größen der amerikanischen Phantastik. Sie gewann zu Lebzeiten Dutzende Preise und Lifetime-Awards; unter anderem wurde sie im April 2000 von der amerikanischen Library of Congress zur Lebenden Legende im Bereich Kunst und Literatur erhoben. Am 22. Januar 2018 starb Ursula K. Le Guin und hinterlässt ein reiches phantastisches Erbe.

Mir begegnete Ursula K. Le Guin zum ersten Mal durch ihren Erdsee-Zyklus. Diese spannende, düstere und sehr charaktergetriebene Fantasy hob sich erfrischend von den anderen erfolgreichen Epen dieser Zeit ab. Die Welten, in denen Ursula K. Le Guins Geschichten spielten, waren nicht nur phantastisch, sie waren auch glaubhaft.

Natürlich kamen wie nach den Genre-Konventionen üblich, Drachen, Raumstationen, Zauberei oder düstere Götterkulte in ihren Büchern vor. Doch die Figuren bleiben nicht schablonenhaft. Kein Macho-Gehabe prägt die Protagonisten, Frauen sind ebenso wichtig und tief angelegt wie die Männer. Ihr Buch „The Left Hand of Darkness“, das auf einem Planeten spielt, auf dem das Geschlecht der Bewohner nicht festgelegt ist, gewann sowohl den Hugo- wie auch den Nebula-Award. Diese beiden Preise erhielt sie hier zum ersten, aber nicht zum letzten Mal.

Wo sonst Volkszugehörigkeiten an den Haarfarben abgelesen werden konnten und ganze Rassen dem Bösen verfallen waren, erfand sie Universen, in denen Geschlecht oder Hautfarbe nebensächlich und – vor allem – gemischt war. Diese feministische und antirassistische Haltung zieht sich durch Le Guins ganzes Werk.

Bücher sind nicht nur Verbrauchsgüter“, sagte sie bei der Verleihung des National Book Awards. „Uns erwarten harte Zeiten, in denen wir uns nach den Stimmen von Autorinnen und Autoren sehnen werden, die Alternativen zu unserer jetzigen Lebensweise aufzeigen können. Die unsere angstgeleitete Gesellschaft und ihre obsessiven Technologien durchschauen und neue und wahre Gründe für Hoffnung finden können.“

Phantastik hatte für Le Guin immer auch eine gesellschaftliche und politische Verantwortung. Für sie bedeutete Autorenschaft einzustehen für Offenheit, Toleranz und Freiheit. „Gerade jetzt benötigen wir Autorinnen und Autoren, die den Unterschied zwischen der Produktion eines Verkaufsguts und dem Ausüben einer Kunst erkennen“, sagte sie bei der Preisverleihung. Nie waren ihre Worte wahrer als jetzt.

Ursula, deine Stimme wird vermisst werden.

Es ist an der jetzigen Generationen von Autorinnen und Autoren der Phantastik, in ihre Fußstapfen zu treten, unsere Gesellschaft zu hinterfragen und Visionen einer besseren Zukunft zu entwerfen.

RPG-a-day – Tag 20: Quellen für Vergriffenes

„What’s your best source for out-of-print RPG books?“

Schwierig. Vermutlich würde ich auf das Tanelorn-Forum gehen, um zu fragen, ob jemand zufällig gerade die Nase voll hat von dem Buch, das ich kaufen möchte.

Oder man schaut auf Ebay, Amazon, etc. Als letztes gibt es noch die klassischen Konvente (NordKon, FeenCon, BuCon), auf denen oftmals vergriffenes Material direkt vor Ort verkauft wird. Manchmal lohnt es sich.

RPG-a-day – Tag 19: Beste Texte eines Spiels?

„Which RPG features the best writing?“

Aus meiner Sicht geht dieser Preis an das Dresden-Files-Rollenspiel von Fred Hicks (Black Hat Games). Schlägt man die Bücher auf, hat man wirklich den Eindruck, dass man ein fiktives Spielbuch in der Hand hält, in dem die Notizen von Harry Dresden, Bob und all den anderen enthalten sind, um einerseits spielerisch Informationen an die unwissenden Menschen da draußen weiterzureichen, andererseits aber auch nicht zu viel Geheimwissen zu kommunizieren.