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Interview mit ZDF-Aspekte zum Thema „Spiel“

Wer filmt wen? Das Kamera-Team des ZDF-Berlin.

Am Montag wurde ich zu einem Interview für die ZDF-Aspekte-Sendung mit der Thematik „Spiel“ eingeladen. Die Aufnahmen wurden in Schöneberg gedreht, und wie schon beim Antikriegstag des DGB werden im Hintergrund Züge zu sehen und zu hören sein. Dit is Berlin.

Das Team rund um Valentina Hirsch wollte sehr gern eine Frau zu dem Thema vor die Kamera holen, was mich erfreut. Gamerinnen werden ja gern übersehen. Und so sprachen wir also über die klassischen Themen: Corona, Entwicklung der Spielenutzung, Realitätsflucht. An den Themen kommt man auch nach vielen, vielen Jahren offenbar nicht vorbei. Ich freue mich darüber, dass das Team so offen für die Thematik ist und möchte hier keine Beschwerde gegen das ZDF oder das Aspekte-Team erheben, sondern genereller Fragen: warum reden wir darüber noch?

Dabei kommen mir vieles davon so überholt vor. Realitätsflucht kann man nur für ein Problem halten, wenn man gebildeter Gutverdiener in festem Arbeitsverhältnis ist. Wer diesen Luxus nicht besitzt und nicht zweimal im Jahr nach Australien in Urlaub fahren kann, sucht sich den Abstand zum anstrengenden Alltag anders. Zum Beispiel mit zwei Stunden Tennisspiel. Mit dem Bingen von Netflix-Serien. Mit dem Lesen eines packenden Buches. Oder eben mit Computerspielen.

Abschalten, einen Mikro-Urlaub für das Gehirn zu erhalten, spielt eine wichtige Funktion in unserem Leben, ganz besonders in der der Coronakrise. Wir können nicht immer wach sein, nicht immer kämpfen, nicht immer ernst bleiben. Spaß spielt im Leben eine wichtige Rolle, besonders bei Erholung. Stressbewältigung ohne Sport, ohne Gesellschaft, ohne Parties und ohne Urlaub? Unter Druck muss jede Person ihre eigene Bewältigungsstrategie finden. Für manche – vielleicht sogar für viele – lautet diese „Computerspiele“. Und das ist legitim.

Auch über Computerspielesucht habe ich im Interview gesprochen. Ich weise darauf hin – was uns allen selbstverständlich ist – dass Computerspiele per se nicht süchtig machen. Dass die psychosozialen Rahmenbedingungen Hauptverursacher für die Betäubung durch ein Suchtmittel sind, und die Unfähigkeit, andere Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Dass der tatsächliche Prozentsatz von echt Computerspielesüchtigen im niedrigen einstelligen Bereich liegt (hierzu ein gutes Interview mit dem Medienpsychologen Leonard Reinecke).

Ein Bild beim Drehort, damit ihr weiterlest.

Die Öffentlichkeit scheint Spiele (interessanterweise hauptsächlich digitale) immer noch zu problematisieren. Wenn eine Studie des DAK warnt, es wären während des „Lockdowns“ signifikant mehr Computerspiele gespielt worden, bei Jugendlichen in den ersten Coronamonaten 2020 um bis zu 75%, dann frage ich zuerst: Ja und? Und dann: Ja und welche? Und abschließend: Was hätten sie sonst tun sollen? Lieber Feiern gehen?

Die Medienbeauftragte der Regierung, Daniela Ludwig (CSU) fodert mehr Medienkompetenz. Ich fordere mehr Medienkompetenz von der Medienbeauftragten der Bundesregierung. Denn Wissenschaftler*innen des DAK warnen auch davor, Alltagshandlungen vorschnell zu pathologisieren.

Computerspiele sind inzwischen beinahe so divers wie geschriebene Literatur, wie die Spiele „The Last of Us“ und „The Last of Us 2“ von Sony beweisen. Nicht alle Spieler*innen spielen Doom oder Counterstrike. Und selbst wenn, bedeutet das nicht, dass all diese Menschen automatisch süchtig werden, oder rechtsradikale Mörder.

Es gibt eine gesunde Nutzung von Computerspielen in der Gesellschaft; in der Mitte der Gesellschaft übrigens, denn dort sind Computerspiele angekommen (auch bei Frauen). Ich will nicht leugnen, dass es die reaktionären Gamer auch gibt, die sich gegen jede Entwicklung und Öffnung wehren. Aber das ändert sich seit Jahren, wie wir im Beitrag der Frankfurter Buchmesse zu „Immersive Storytelling“ gut beleuchten konnten. Es freut mich, dass der NDR, der das zuerst problematisierte, an anderer Stelle auch zu diesem Fazit kommt.

Ich werde demnächst eine Liste von hochinteressanten und wie ich finde gesellschaftskritisch wertvollen Computerspielen anfertigen und hier posten. Ich bin gespannt, was ihr zu meiner Auswahl sagt.

Welche würdet ihr erwähnen?

DLF-Interview über Narrative Design

In den letzten Wochen bin ich zweimal zum Thema Games und Narrative Design interviewt worden.

Letzte Woche kam das DLF-Corso-Interview zum Thema Narrative Design heraus, in dem ich unter anderem über Drakensang Online bei Bigpoint spreche (und dabei meine liebe Kollegin Ivonne Vaziri-Elahi erwähne). Beim Interview fiel mir auf, wie schwierig es ist, ohne Anglizismen über Games zu sprechen. Der Versuch allein ist hier auf jeden Fall gescheitert.

Gestern lockte mich Klaudia Zotzmann-Koch zum zweiten Mal zu ihrem Vienna Writer’s Podcast vor das Mikro. Klaudias Fragen sind immer sehr erfrischend und schälen die verschiedenen Ebenen, denen man selbst schon keine Beachtung mehr schenkt, aus der Berufserfahrung hervor.

Hört gern mal rein und sagt mir, an was ihr in Zukunft inhaltlich interessiert seid!

DevCom Talk: What Stories do to Your Brain

Dieses Jahr wird parallel zur GamesCom in Köln statt der GDC Europe die DevCom stattfinden. Wie schon letztes Jahr zur Respawn habe ich dieses Jahr einen Talk eingereicht. Der wurde letzlich angenommen. Das Thema:

What Stories do to Your Brain

Stories enchant our audiences and stay in our minds for months and years. Research shows that while participating in stories (through reading, watching, playing), many areas of our brains are activated.

In key moments, the brain chemistry is flooding our system with dopamin, a chemical messenger that plays a major role in reward-motivated behaviour, the same as drugs do. So, is storytelling a drug?

einen Termin gibt es noch nicht, das Datum der DevCom ist 20. – 24. August 2017  auf der Koelnmesse.

Mehr auf: https://www.devcom.global/

Vortrag: „Making Sense“ @Respawn, Köln

logo_respawn_2013_01Auch dieses Jahr wird in Köln im Vorfeld der GDC Europe wieder die Respawn Conference stattfinden, einer kleineren aber innovativen Konferenz, in der jedes Jahr ein Wissensaustausch innerhalb der Gaming-Branche stattfindet.

Ich bin sehr froh, dass mein Vortrag zum Thema „Narrative Psychology – Making Sense“ angenommen worden ist. Stattfinden wird er am Dienstag den 16. August um 14:30h im Dock One.

Die Beschreibung:

Storytelling is central to human existence. But why are people building stories in their heads? Why do they share stories with others, and how does that affect the audience? Has the brain adapted to modern technology? And finally, how can Gaming use this knowledge about human nature? This talk builds on Narrative Psychology and Neuroscientist’s findings to learn more about what’s so essential to narrative for games.