Phantastik-Autoren-Netzwerk PAN nimmt Fahrt auf!

Im November rief DiPAN_Logoana Menschig namhafte und interessierte Autorinnen und Autoren der Phantastik nach Köln, um – ja, um einen Verein zu gründen. Neben dem Syndikat, Delia, den Mörderischen Schwestern und wie sie nicht alle heißen, hatte sie die Vision eines Vereins-Netzwerks für Autoren der Phantastik.

Und die Autoren kamen! Neben Diana selbst Bernhard Hennen, Kai Meyer, Ju Honisch, Judith und Christian Vogt sowie Carsten Steenbergen, für Eingeweihte alles keine Unbekannten.

Bald war das Phantastik-Autoren-Netzwerk, kurz PAN geboren.

Ich ließ mich leichtsinniger Weise zur Schatzmeisterin und damit in den Vorstand des Vereins wählen, der sich auch bald kein kleines Ziel für 2016 gesetzt haben sollte:

Ein Branchentreffen der Phantastik!

Mit dem Odysseum in Köln fand sich der richtige Ort, und wir gingen und gehen auf die Suche nach Sponsoren.

Alles in allem ist PAN bis jetzt ein wunderbarer Ritt mit tollen Menschen, die sich für die Phantastik und ihre Autoren engagieren.

Ich sage Danke!

Neuer Flyer

Passend zu der im nächsten Jahr von mir veranstalteten Romanwerkstatt im Otherland habe ich neue Flyer erstellt – oder vielmehr der großartige Per Dittmann hat das für mich getan.

Ich finde, sie sind ganz wunderbar geworden und möchte sie euch nicht vorenthalten:

Flyer VorderseiteFlyer Rückseite

 

 

 

 

 

 

 

Per ist übrigens käuflich – zumindest sein Service im Bereich Web- und Printdesign.

Phantastische Romanwerkstatt im Otherland

Otherland Buchladen BerlinEs ist soweit!

Von Januar bis März veranstalte ich mit der Otherland Buchhandlung in Berlin Kreuzberg eine Romanwerkstatt!

Wer also schon immer lernen wollte, wie man einen Belletristik-Roman konzipiert, kann sich von mir Schritt für Schritt zur Arbeit vor dem Schreiben anleiten lassen! In dreistündigen Einheiten nehme ich von Brainstorming-Techniken, dramatischen Strukturen, Figuren und ihrer Charakterisierung, dem Dialogschreiben sowie der richtigen Wahl der Perspektive alle wichtigen Themen des Romanschreibens durch.

Mich freut auch der Ort ganz besonders, weil das Otherland meine absolute Lieblingsbuchhandlung in Berlin (und darüber hinaus) ist und sie sich außerdem der phantastischen Literatur gewidmet hat.

 

Ort: Otherland Buchhandlung, Bergmannstraße 25, 10961 Berlin

Zeit: Januar – März 2016

Anmeldung: kontakt@method-writing.de

Alle weiteren Informationen finden sich auf meiner Homepage Method Writing.

Und hier findet sich der Blogbeitrag des Otherland zu diesem Thema.

Horror im Otherland

BriefgestoeberHeute Abend, 20h, gibt es in Berlin-Kreuzberg einen Horror der ganz besonderen Sorte:

Boris Koch, Vincent Voss, Hanka Jobke und ich lesen „Aus dunklen Federn“.

Die Horror-Anthologie, die im November im Verlag Briefgestöber in Kooperation mit Dotbooks erschienen ist, steht ganz unter dem Zeichen des Alltags-Horrors.

 

Wer? Lesen werden Boris Koch, Vincent Voss, Hanka Jobke und ich.
Wann? 20h
Wo? Otherland Bookshop, Bergmannstraße 25

 
Ich freue mich darüber, in meiner Lieblingsbuchhandlung in Berlin eine Lesung zu halten!

Wie man eine Buchmesse überlebt

Interessante Termine

Die Leipziger Buchmesse steht vor der Tür. Wie jedes Jahr freue ich mich auf „meine Hausmesse“, denn Leipzig befindet sich ja quasi vor den Toren von Berlin (*hüstel*). Tickets und Informationen findet man natürlich auch im Internet.

Termine, die ich wärmstens ans Herz legen kann:

SeraphDonnerstag, 17h: Verleihung des Seraph, Fantasy-Leseinsel (Halle 2 H 309)
Donnerstag, 20h: Seraph-Preisträgerlesung in den Räumen der Stadtwerke Leipzig, Energie- und Umweltzentrum, Katharinenstraße 17, 04105 Leipzig
Freitag, 16h: Die Lesung von Patrick Rothfuss an der Fantasy-Leseinsel lasse ich mir natürlich nicht entgehen
Alle Tage, rund um die Uhr: Die Autorenlounge in Halle 5.

 

 

Ein praktischer Survival-Guide für die

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1. Flache, ausgelatschte Schuhe.

Egal wie hässlich sie sind, zieht bequeme Schuhe an. Besser sich zu blamieren als nach einem halben Messetag nicht mehr laufen können. Ich bewundere die High-Heel-Fraktion; meine Füße machen das einfach nicht mit.

2. Anziehen nach dem Zwiebelschalen-Prinzip.

Auch ein Muss: sich so anziehen, dass man jeder Temperatur gewappnet ist. Wenn man sowohl das Samstags-Gedränke mit unerträglicher Hitze in den Innenräumen überleben möchte, UND gleichzeitg mal in den Innenhof des Messegeländes zum Luftschnappen hinaus möchte, sollte man sich in mehreren Lagen übereinander bekleiden können.

3. Wasser und Brot

Für Messebesucher ist unerlässlich, was angeblich selbst Knastis verschmähen: Eine kleine Flasche Wasser im Gepäck (bis zu einem halben Liter, sonst wird es sehr schwer) und ein Laugenbrötchen oder zwei ohne Belag. Käse oder Wurst wird mit den Stunden nicht schöner, ein trockenes Laugenbrötchen aber lässt sich auch abends noch aus der Tasche fischen und mit Genuss essen, um Energie nachzutanken. Und nehmt um Himmels Willen keine Schokolade …!

4. Vorher einen Stundenplan entwerfen.

Interessante Talks, Termine, tolle Lesungen: Davon gibt es auf der Buchmesse reichlich. Am besten hält man die Interessanten vorher in seinem e-Kalender fest, dann wird man rechtzeitig erinnert. Auf der anderen seite kann man sich getrost auch Freiräume lassen, denn es gibt überall noch andere spannende Gespräche, in die man hineinstolpert. Warum vorher planen? Siehe Punkt 6.

5. Bargeld

Die Geldautomaten auf der Messe sind meist nur nach langem Schlangestehen zu erreichen. Also: An genug Bargeld denken!

6. Verlass dich nicht aufs W-Lan

Vorsicht ist besser als Nachsicht, besonders, wenn man auf der Messe steht und versucht, zu einem W-Lan oder einer Internetverbindung mit dem Smartphone Zugang zu erhalten. Selbst Anrufe und SMS gehen nicht immer durch.

7. Fachleute finden.

Für die angehenden Autoren kann ich diesen Guide mit seriösen Angeboten empfehlen:

http://www.leipziger-buchmesse.de/media/autoren_at_leipzig/autoren_neu/Autoren_et_Leipzg_2015_04032015.pdf

8. Spaß haben!

Jurorin des „Seraph“ im Jahr 2015

SeraphZum Abschluss des Jahres 2014 ist es mir eine große Ehre verkünden zu dürfen, dass die Phantastische Akademie e.V. mich gebeten hat, beim Seraph 2015 als Jurorin aufzutreten.

 

Der Seraph hat sich in den verganenen drei Jahren zu *dem* phantastischen Preis der deutschsprachigen Literaturszene gemausert – durch den unermüdlichen Einsatz seiner Mitglieder und Förderer.

Ich freue mich, an diesem im wahrsten Wortsinne phantastischen Preis teilnehmen zu dürfen!

Der Seraph wird im März 2015 auf der Leipziger Buchmesse vergeben. Man darf gespannt sein, wer gewinnt – ich bin es!

Wochenendseminar „Romankonzeption“ in Hannover!

Am 1. und 2. November veranstalte ich mit dem Bildungsverein Hannover ein Wochenendseminar zum Thema Romankonzeption!

Wer schon immer mal wissen wollte, wie man dramatische Strukturen plant, Figuren konzipiert, Dialoge schreibt oder eine Perspektive wählt ist hier goldrichtig!

Die spannende Theorie wechselt sich hier mit der direkten Anwendung ab, so dass für jeden etwas dabei ist.

Die Anmeldung ist noch bis zum 24.10. beim Bildungsverein Hannover möglich!

Verleihung des Deutschen Rollenspielpreises auf dem NordCon

Deutscher Rollenspielpreis – Verleihung Kategorie Zubehör

Am letzten Wochenende fand der NordCon in Hamburg statt, das größte von Fans organisierte Rollenspiel-Ereignis in Deutschland. Von Veranstalter-Seite wurde verlautbart, dass über das Wochenede mehr als 5000 Tagesbesucher gezählt worden sind – herzlichen Glückwunsch!

Auf dem gelungenen Event konnte man zwischen Händlerständen und Liferollenspiel-Verkäufern auch Workshops und Lesungen besuchen. Neben Markus Heitz und Thomas Finn, die beide aus ihren aktuellen Büchern lasen, habe ich dort einen Workshop zum Thema Romankonzeption angeboten. Meinen Dank noch einmal an alle Teilnehmer, die extrem interessiert Fragen gestellt und mitgearbeitet haben!

Auf der Abschluss-Veranstaltung Sonntag Abend, dem Höhepunkt der Veranstaltung, wurde dann erstmals wieder der Deutsche Rollenspielpreis verliehen, der seit 2005 pausierte. Dankenswerter Weise wurde ich angefragt, ob ich einen der Preise vergeben würde und habe so gerne zugestimmt, weil ich es fantastisch finde, dass der deutschsprachige Raum nun einen Jury-Preis für Rollenspiele hat! Und was für eine Jury das war: Timo Gleichmann (Saltatio Mortis), Oliver Hoffmann (Feder & Schwert), Dirk Remmeke (H-Spielt!, Mondbuchstaben etc), Mia Steingräber (Rollenspiel-Zeichnerin) und nicht zuletzt Carsten Praefke (Mitorganisator des NordCon)!

Die Gewinner sind „Reiter der Schwarzen Sonne“ in der Kategorie Regelwerk und „Splittermond – die Welt“ in der Kategorie Zubehör. Herzlichen Glückwunsch an die Gewinner!

Deutscher Rollenspielpreis – Verleihung Kategorie Regelwerk

Hier berichten die Verantstalter über die Verleihung des Deutschen Rollenspielpreises.

Und hier eine kurze Notiz auf der Uhrwerk-Homepage für Splittermond.

Nach zwanzig Jahren Workshops, Lesungen und Auftritten auf Bühnen war ich, wie ich gestehen muss, erstaunlich aufgeregt bei der Laudatio für Splittermond – die Welt.

Alles in allem fand ich die Organisation des Preises und den Rahmen der abschließenden Veranstaltung wunderbar gelungen.

Danke an die Organisatoren, dass ich dabei sein durfte!

Zwanzig Jahre Schreiben

Das Jahr 2013 ist für mich ein Jahr der Jubiläen.

Vor zwanzig Jahren habe ich nach dem Abitur und parallel zum Studium mit dem publizierten Schreiben begonnen. Die erste Veröffentlichung war die DSA-Kurzgeschichte „Wolfstränen“, dicht gefolgt von dem Roman „Schlange und Schwert“.

Vor zehn Jahren bin ich professionelle Schriftstellerin geworden und habe meinen Arbeitsalltag rund um Texte aufgebaut – Romane, Kurzgeschichten, Artikel, aber auch Lektorat, Coaching, redaktionelle Betreuung …

Natürlich habe ich diese zwanzig Jahre nicht nur Erfolge eingefahren, sondern auch den einen oder anderen Rückschlag hinnehmen müssen. Das Leben als selbständige Schriftstellerin ist, wie Falko Löffler schon schrieb, nicht immer ganz leicht. Mit Falko teile ich dieses Jahr auch das Zehnjährige. Trotz – oder gerade wegen – all der Höhen und Tiefen blicke ich mit Freude, Stolz und auch ein bisschen Wehmut zurück.

 

Wegbegleiter

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, all die lieben Wegbereiter und -gefährten zu nennen, die mich in den letzten Jahren begleitet haben. Menschen, mit denen man Erfahrungen und Fakten austauschen kann, sind gerade in einem Beruf, der so einzelkämpferisch daherkommt wie der der freien Schriftstellerin, eine unglaubliche Bereicherung.

Allen voran möchte ich den verstorbenen Ulrich Kiesow nennen, der mir die Chance auf erste Veröffentlichungen gab, sowie Thomas Finn, der mir in der professionalen Karriere immer einen halben Schritt voraus war und zu dem ich immer schauen konnte, wenn ich daran gezweifelt habe, ob mein Weg von Erfolg gekrönt sein könnte.

Stete Diskussionspartner waren mir Natalja Schmidt und Christoph Hardebusch, mit denen sich auch so manche Messeparty in toller Gesellschaft verbringen ließ.

Danken möchte ich auch Markus Heitz und Bernhard Hennen, mit denen mich die Wurzeln im Rollenspiel verbinden und die mich einluden, das eine oder andere Projekt mit ihnen umzusetzen.

Schlussendlich (aber nicht zuletzt) gehören hier meine Agentur, die AVA international, insbesondere Roman Hocke, sowie die Lektoren des Heyne Verlags (und hier besonders Anne Tente) hin, ohne die meine Karriere nicht existieren würde. Ich danke für viel Beistand, Geduld, Kritik und das in mich gesetzte Vertrauen.

Natürlich haben mich noch weitere Menschen begleitet oder geprägt – wie Iny Lorenz zum Beispiel, mit denen man auf Messen und Autorentreffen stets einen Plausch halten kann, oder Tom und Stephan Orgel, oder Carsten Steenbergen, Oliver Hoffmann und Oliver Graute von Feder & Schwert, Heike Koschik, Thomas Römer … Der Menschen sind es viele, und für jede Begegnung bin ich dankbar. Ihr macht diese Szene so lebens- und liebenswürdig.

 

Ein Dank

Nach all dem Namedropping bleibt mir eigentlich nur noch, mich bei Ihnen, meinen Leserinnen und Lesern zu bedanken. Ohne Sie und Ihre Rückmeldungen könnte ich nicht dem schönsten aller Berufe nachgehen – der Schreiberei. Ich fühle mich gesegnet, auf so viel Interesse und Begeisterung zu stoßen.

Denn das ist es, was mich in meinem Beruf antreibt – die Möglichkeit, Menschen zu berühren. In ihrer Seele; dort, wo sonst kaum jemand hingelangt.

Danke für zwanzig großartige Jahre. Und nebenbei eine frohe Weihnacht und einen Guten Rutsch ins Jahr 2014!

Falkenhagen schelmisch Mütze klein

Aus der Schreibstube: Romananfänge

 

Aller Anfang …

Der erste Satz eines Romans – wie viel Bedeutung wird dem beigemessen! Nicht zu Unrecht, entscheidet er doch oftmals, ob der Leser, die Leserin in die Geschichte hineingesogen wird oder nicht.

Sol Stein sagt in seinem Buch „On Writing“, dass die Leser auf den ersten drei Seiten eines Buches entscheiden, ob sie es lesen wollen oder nicht.

Drei. Seiten. Das ist nicht viel, möchte man denken. Doch mit ein wenig Handwerkskunst benötigt man dafür nicht viel mehr als drei Absätze. Wie also kann man seinen Text so faszinierend gestalten, dass der Leser, die Leserin hängen bleibt und weiterlesen möchte?

Sol Stein sagt uns, ein Anfang solle drei Wünsche erfüllen:

  1. die Neugier des Lesers, der Leserin wecken, bevorzugt über einen Charakter oder eine Beziehung
  2. das Setting der Geschichte vorstellen
  3. der Geschichte Resonanz verleihen

Hauptsächlich muss ein Romananfang eines sein: spannend. Und diese Spannung kann auf unterschiedliche Arten und Weisen hervorgerufen werden.

Da diese drei Punkte mehr oder weniger leicht nachzuvollziehen sind, drösele ich sie hier einmal an mehr oder weniger aktuellen Beispielen auf.

 

Setting

Dass Punkt 2 bei der Eröffnung jeder Geschichte wichtig ist, erschließt sich von selbst. Um eine Handlung nachvollziehen zu können, sollten wir als Lesende schon darüber „ins Bild gesetzt“ werden, ob es sich um einen phantastischen Roman mit Orks und Elfen, ein Science-Fiction-Buch auf einer Station im All oder einen historischen Roman im Wilden Westen handelt.

Tatsächlich kann man die Enthüllung des tatsächlichen Settings zur Erzeugung von Spannung auch hinauszögern und es erst Absätze später enthüllen. Die Desorientierung des Lesenden wird genutzt, um ihn wachzurütteln. Meist aber nutzt ein Autor, eine Autorin die ersten Sätze zur Verortung der Lesenden. Christoph Marzi tut dies sehr elegant in „Lyzidas“:

„Die Welt ist gierig, umd manchmal verschlingt sie kleine Kinder mit Haut und Haaren. Emily Laing erfuhr dies, bevor ihre Zeit gekommen war. Als sie meinen Weg kreuzte, flüchtete sie vor denen, die ihr eine Zukunft versprochen hatten, jenen, die täuschen und lügen und betrügen und dafür sorgen, dass das Lächeln in Kindergesichtern traurig und unecht wirkt.“

Zwar wird kein physikalischer Ort beschrieben, wohl aber die Welt, in der der Erzähler und Emily leben – und diese Welt wird als hart und unerbittlich charakterisiert. Wir bekommen erst im folgenden Satz die tatsächliche Info, wo sich die Figuren befinden, nämlich in London, Tottenham Court Road. Doch diese Information ist hinter der Schilderung der Zustände nachrangig.

Beinahe unter der Hand erfährt man, dass Emily wohl nicht sehr lange durchhalten wird, und dass sie auf der Flucht vor Menschen ist, die sich wenig um Kinder scheren. Man wird neugierig darauf, wie es mit diesem Charakter weitergeht.

 

Neugier

Auf Punkt 1 kann ein moderner Autor, eine moderne Autorin wohl kaum verzichten. Wer nicht die Neugier seiner Leserschaft weckt, langweilt sie – ein Kapitalverbrechen für jeden Geschichtenerzähler. Doch wie reizt man die Neugier der Menschen?

Spannung, Staunen oder widersprüchliche Aussagen über einen Charakter oder eine Situation am Anfang eines Romans sind gut dazu geeignet. Kai Meyer tut das in seinem von mir sehr verehrten Romananfang in „Die Geisterseher“. Ich darf zitieren:

„Am Morgen jenes Tages, an dem Gott, der Herr, von seinem Thron stieg und tot zusammenbrach, war die Milch in ihren Krügen geronnen wie Blöcke aus weißem Porzellan.“

Allein der erste Satz bietet mit den beiden Spannungsfeldern „Gott“ <–> „tot zusammenbrach“ eine großartige Eröffnung, mir blieb beim ersten Lesen geradezu die Spucke weg. Doch Kai hört dort nicht auf, denn der zweite Teil des Satzes bildet wiederum ein Spannungsfeld mit dem ersten. Warum ist die geronnene Milch so wichtig, dass sie in einem Satz mit dem sterbenden Gott erwähnt wird? Und auch das Ende des Satzes desorientiert den Leser weiter. Kann geronnene Milch wirken wie Blöcke aus weißem Porzellan?

Warum stehen diese beiläufig wirkenden Informationen über die geronnene Milch, den Krug, das Porzellan überhaupt im ersten Satz? Zunächst kontrastiert das interessante, aber banale Ereignis am Satzende großartig mit dem überhaupt nicht banalen am Satzanfang, nämlich, dass Gott tot von seinem Thron kippt.

Gleichzeitig stellt Kai das Setting mit vor. Die Milch ist zu einem festen Block geronnen, sie kann also nicht homogenisiert sein. Sie wird in Krügen geliefert, nicht in Tetrapacks oder Kaffeetassen – es handelt sich also nicht um einen Roman, der im 20. Jahrhundert spielt. Auch das „Porzellan“, das nur der Farbe nach mit der Milch einhergehen will, ist ein Marker, denn die Handlung findet im 19. Jahrhundert statt, der Hochzeit der Porzellankultur. Die konkrete Benennung des Settings zögert Kai zunächst hinaus, man erfährt sie erst am Ende der Seite.

Und auch die dritte Anforderung von Sol Stein erfüllt „Die Geisterseher“: die Geschichte besitzt von Anfang an Resonanz. Und was für welche. A propos:

 

Resonanz

Was aber umfasst Sol’s Punkt 3 genau? „Resonanz“, der komplexeste Teil des Sol’schen Dreigestirns, sagte mir zunächst nicht viel, „resonieren“ aber sehr wohl. Verursacht die Geschichte Schwingungen in meiner Seele, meinem Verstand, meinem Bauch? Handelt es sich bei ihr um einen runden Kosmos, bei dem alle Teile die jeweils anderen beeinflussen? Oder sind sie flach, eindimensional, ohne mich zu berühren? Passen Stil und Sprache zur Geschichte?

Gute erste Sätze umfassen bereits in sich, worum es in dem Roman gehen wird. Eines meiner Lieblingsbücher, „Pride and Prejudice“ von Jane Austen, hat einen so ikonischen Satz geprägt, der sowohl Ton, Inhalt und Problem der Geschichte umfasst:

„It is a truth universally acknowledged that a single man in possession of a good fortune must be in want of a wife.“

Der Leser erfährt, dass es ums Heiraten geht (und die Gründe dafür, das liebe Geld), dass gesellschaftliche Ansprüche eine Rolle spielen („a truth universally acknowledged“) und dass die Erzählerin des Romans über eine gehörige Portion Sarkasmus verfügt, denn die aufgestellte Behauptung ist natürlich sowohl übertrieben wie auch schlicht falsch, auch wenn es sich viele Mütter unverheirateter Töchter anders wünschen würden. Gleichzeitig mag man in dieser Sprache einfach baden, so elegant, geschwungen und herrlich spitz ist sie.

Jane Austen erfüllt mit diesem einen Satz alle drei Anforderungen: Der Satz resoniert, sagt mir, wovon das Buch handelt und macht neugierig darauf, wer Mann und Frau sind, die da offenbar in Beziehung gesetzt werden.

 

… ist schwer

Und nun? Wie einen so fantastischen ersten Satz finden, dass er diese drei Kriterien erfüllt? Hier ein paar praktische Tips.

  1. Kennen Sie Ihre Figuren. Wo liegt der Konflikt ihrer Hauptfigur – oder jener, mit der Sie in das Buch einsteigen? Legen Sie den Finger sofort in die Wunde, deuten Sie den Konflikt zumindest an.
  2. Kennen Sie Ihre Welt mit ihren Gesetzmäßigkeiten. Handelt es sich um einen Urban-Fantasy-Buch? Deuten Sie einen Hauch des Übernatürlichen an. Ist es ein Western? Lassen Sie eine der Figuren „Howdy“ oder „Grünhorn“ sagen.
  3. Kennen Sie das Thema Ihres Buches. Geht es um die Rebellion gegen eine übermächtige Allianz? Ums Heiraten zum Wohl der Familie? Um Rauch und Schatten? Versuchen Sie, das Hauptthema bereits hier einzuführen, und sei es nur durch ein Wort, einen Satz.

Zusammenfassend kann man sagen: Schreiben sie den ersten Satz zuletzt, denn dann wissen Sie, was zur Hölle Sie da eigentlich tun.

 

Viel Spaß beim Schreiben.