Aus der Schreibstube: Von Drogen und Selbstmanagement

Time Management By Sean PublicationMotivation ist ein unberechenbarer Partner. Am Anfang des Schreibprozesses hat man zu viel davon und vergisst im Finale zu schlafen und zu essen. Macht man sein Hobby zum Beruf, tritt irgendwann Ernüchterung ein, denn dann hat man kein Hobby mehr. Wer kann auf Knopfdruck kreativ sein, wenn die Mutter einen Bandscheibenvorfall hat, Liebeskummer das Herz zerreißt oder das Kind fiebrig im Bett liegt? Vermutlich nicht sehr viele.

Umso wichtiger ist es, sich einen Plan seiner Arbeit zu machen, um für solche Phasen gewappnet zu sein.

Gleich zu Anfang sei gesagt: das funktioniert nicht immer. Manchmal ist eine Krise einfach eine Krise; das geht anderen Menschen genauso. Leider sind professionelle Schriftsteller als Selbständige finanziell leichter gefährdet als Angestellte, wenn sie ausfallen.

Ich möchte in einer Blogreihe zum Thema Motivation – Selbststrukturierung – Selbstmanagement Methoden aufzeigen, die mir beim Schreiben, Mich-motivieren und -selbststrukturieren helfen. Ich schreibe seit nunmehr 23 Jahren hauptberuflich und habe verschiedene Methoden getestet, wie man seine Motivation aufrechterhalten kann und sich selbst strukturiert.

Ich möchte darauf hinweisen, dass ich weder professionelle Projektmanagerin bin noch alle vorhandenen Methoden und Ansätze auf ihre Tauglichkeit geprüft oder auch nur vollständig durchdrungen habe. Ich lasse mich eher von solchen Gedanken inspirieren, teste sie aus und schaue, was sich bei mir als tauglich erweist.

Diese Blogsammlung schreibe ich auch deshalb, um junge Autoren dazu zu motivieren, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, bevor es zu spät ist.

 

My Poison

Im Augenblick probiere ich das Thema Bullet Journal aus, das eine Sammlung aus To-Do Listen, Tagesplaner, Journal und Ideen-Notizbuch ist. Für mich funktioniert das gut und entwickelt Suchttendenzen.

Drogen kommen in vielerlei Formen daher. Ich bin bekennender Kaffee-Junkie, trinke gern mal Whisky oder Wein (oder andere Formen des Alkohols) und manchmal computerspiele- oder seriensüchtig. Weiche Drogen eben, die gesellschaftlich akzeptiert sind.

Man kann sich meine Überraschung nicht ausmalen, als ich auf die begeisterte Aufforderung einer Freundin hin das Bullet Journal-System ausprobierte und schon nach wenigen Tagen feststellen musste, dass es mich total abhängig macht – im positiven Sinne. (Und wer hier andere Drogengeständnisse erwartet hat – leider muss ich enttäuschen.)

Dieser Suchtfaktor sorgt dafür, dass ich das Bullet Journal mühelos in meinen Alltag integrieren kann und es sich nicht wie eine fremde Methode anfühlt. Ich mache es mir zu eigen.

Bislang führte ich für meine täglichen Aufgaben Listen, sei es analog auf Zetteln, in Google Notes, Evernote, Zim (letzteres ist ein freies Desktop-Wiki, das ich auch sehr empfehlen kann). Da ich den Schutz meiner Daten hochhalte, möchte ich nicht, dass all meine Apps in amerikanischen Clouds zwischengespeichert werden, so dass sich diese Apps eigentlich alle verbieten.

Wenn man die Listen auf dem Handy, dem Desktop-Rechner und dem Notebook nicht synchronisiert, führt man drei verschiedene Listen. Wenn man dann auch dreimal dieselben Tasks abstreicht, hört das System auf, sinnvoll zu sein.

Jetzt ist mein Bullet Journal der Ort, an dem ich die Listen für meine täglichen Aufgaben führe. Wenn ich es nicht dabeihabe und mir etwas einfällt, trage ich es auf dem Handy in eine Notiz-App ein und überführe es später ins Journal. So habe ich alles an einem Ort und vergesse nichts.

Im nächsten Blogpost schlüssele ich auf, was ein Bullet Journal ist, wie man es führt, worin es sich von einem normalen Kalender unterscheidet und warum damit die Selbststrukturierung sogar Spaß machen kann.

Wie strukturiert ihr eure Arbeit?

4 Gedanken zu „Aus der Schreibstube: Von Drogen und Selbstmanagement

  1. Hallo Lena,
    sehr interessant. Ich habe mir Deinen Link zum Bullet Journal mal vorab angesehen.
    Ich bin auf Deine Erfahrungen damit gespannt.
    Gruß
    Thomas

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