Aus der Schreibstube: „Woher bekommen Sie nur immer Ihre Ideen?“

So oder ähnlich lautet die Frage, die ich recht häufig auf Lesungen zu hören bekomme – oder von neuen Bekanntschaften, die erfahren, dass ich Schriftstellerin bin. Manchmal auch „Das könnte ich nicht – da muss man sich ja ständig etwas ausdenken!“ Woher also nehme ich meine Ideen? Die Antwort auf diese Frage ist sowohl leicht wie schwer.

Einfälle liegen auf der Straße. Manchmal wortwörtlich – eine fremdartige Münze, ein vergessener Schuh, der Strickbezug eines Laternenpfahls – und manchmal weniger wörtlich, wie etwa ein Plakat für eine Museumsausstellung, ein Arte-Beitrag über ein fremdes Land oder eine historische Begebenheit, oder ein Blog über eine ulkige Subkultur.

Schwer fällt mir die Erklärung deshalb, weil ich keine Ahnung habe, wie sich die Ideen in meinem Kopf vernetzen und verdichten, bis die Grundidee für eine Geschichte dabei herauskommt.

Vermutlich kommt das Gespür für Dinge, die eine gute Geschichte abgeben, von dem Konsum anderer Geschichten. Romane, Comics, Fernsehserien, Filme, Kurzgeschichten – all das schult den aufmerksamen Betrachter ganz natürlich in dramaturgischen Strukturen.

Wer es gerne theoretisch mag, kann sich Literatur von Sol Stein, James N. Frey, Christopher Vogler oder anderen Ratgeberautoren kaufen. Doch nicht alle dieser Bücher sind dem Laien leicht zugänglich, da sie mit unterschiedlichen Lernniveaus arbeiten.

Übrigens liegt meist nur die Grundidee als solche auf der Straße. Aus der Idee ein rundes Exposé zu machen, ist dann harte Arbeit. So weit also zur Schriftstellerin, die tagein, tagaus im Freibad liegt und auf himmlische Eingebung wartet …

Jetzt aber zum Praktischen. Wie kann ich üben, nach Ideen Ausschau zu halten oder welche zu erkennen, die mir über den Weg laufen?

1. Beobachten Sie Menschen, auch jene, die sich nicht in ihrem direkten sozialen Umfeld aufhalten. Andere soziale Kreise denken anders, als wir es für möglich halten. Solche unterschiedlichen Geisteshaltungen lassen sich famos für dreidimensionale Figuren nutzen.

2. Hören Sie zu. Was lesen die Menschen gerne, und warum? Was reizt Ihre Freunde an den Büchern, die sie zuende lesen (!) oder den Filmen, die sie sich auf DVD kaufen? Was macht eine Geschichte so faszinierend, dass sie den Leser packt?

3. Spielen Sie Ideen-Tetris. Verschränken Sie auch unmöglich wirkende Gedanken und Grundansätze miteinander und betrachten Sie das Ergebnis. Klingt das Ergebnis verrückt, oder aber spannend und neu?

Tja, und was mache ich dann mit meiner tollen Idee? Das bietet Raum für einen eigenen Blogeintrag …

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